Bühne frei: Tipps für Ihren Redeauftritt

Wenn Sie gelegentlich vor anderen Menschen reden, ist es sinnvoll, sich Gedanken über die Art Ihres Auftretens zu machen.

Ob Sie eine Hochzeitsrede halten, Ihr Unternehmen präsentieren oder einen Fachvortrag halten:
Für den Auftritt vor Publikum gibt es Standards, die Sie kennen sollten.

Zehn Tipps für Ihren Auftritt als Redner

1. Stand: Stehen Sie hüftbreit,  fest und ruhig auf beiden Füßen. Das gibt innere Sicherheit und lässt Sie nach außen souverän wirken.

2. Hände: Halten Sie die Hände vor dem Körper in Höhe des Bauchnabels. Von dort ergeben sich natürliche Gesten.

3. Blick: Lassen Sie den Blick einige Sekunden freundlich durchs Publikum schweifen, ehe Sie zu reden beginnen.

4. Atem: Atmen Sie aus, bevor Sie den ersten Satz sprechen.

5. Satzbau: Bevorzugen sie kurze Sätze und senken Sie die Stimme am Ende jedes Satzes.

6. Sprache: Bringen Sie wenige Informationen aber die konkret und anschaulich. Illustrieren Sie durch lebens- und praxisnahe Beispiele, die das Publikum aus eigener Erfahrung kennt.

7. Struktur: Gliedern Sie Ihre Ausführungen durch Signalwörter wie Erstens…, Zweitens… Drittens…  oder Einerseits… Andererseits…  Strukturieren Sie ihren Stoff durch rhetorische Fragen.

8. Veranschaulichen: Bevor Sie durch Medien veranschaulichen, nutzen Sie die gliedernde Kraft Ihrer Gesten. Auch die Hände können überzeugend und deutlich sichtbar Erstens…, Zweitens… Drittens…  oder Einerseits… Andererseits… zeigen. Unsere Gesten können Gegenstände und Menschen skizzieren, Größen und Abläufe vor Augen führen.

9. Antworthaltung: Stellen Sie sich vor, das Publikum hätte Ihnen eine Frage zum Thema gestellt. Ihr Vortrag ist die Antwort. Diese Haltung macht es nervösen Rednern leichter.

10. Lampenfieber: Akzeptieren Sie, dass Sie nervös sind. Das Publikum merkt kaum etwas davon.  Gelegentliche Versprecher oder die Suche nach Worten gehören dazu.

Vier verblüffende Tatsachen über das Lampenfieber

Zu Beginn eine Andekdote:  Das Kolosseum im Alten Rom ist voll besetzt. Ein Delinquent wird einem Löwen zum Fraß vorgeworfen. Die Menge johlt und jubelt, als der Löwe sich dem Mann nähert, ihn umwirft und sich zum Todesbiss über ihn beugt.
Gerade als das Ende unausweichlich scheint, flüsterte der Todgeweihte etwas. Der Löwe lässt sofort von ihm ab und trottet mit eingezogenem Schwanz davon.
Der Kaiser ist beeindruckt und fragt den Mann, wie er dieses Wunder vollbracht habe. „Ganz einfach“, antwortet der, „ich habe ihm gesagt, dass nach dem Fressen eine Rede von ihm erwartet wird.“

1. Sie sind in guter Gesellschaft: Jeder Redner hat Lampenfieber.
Neun von zehn Seminarteilnehmern nennen als größtes Hemmnis auf dem Weg zur freien Rede ihre Nervosität. Es sind Schüler und Studenten, Angestellte, Handwerksmeister, Wissenschaftler, Manager und Politiker – viele von ihnen schon erfahrene Redner. Das Erstaunliche: Jeder ist überzeugt, er sei der Einzige, dem beim bloßen Gedanken an eine öffentliche Rede der Schreck in die Glieder fährt.
Deshalb: Willkommen im Club!

2. Ein guter Redner braucht Lampenfieber.
Lampenfieber erscheint vielen als unerwünschte Schwäche, die man bekämpfen sollte. Falsch!
Richtig ist: Lampenfieber befähigt Sie zu Höchstleistungen. Lampenfieber macht Sie hellwach. Ähnlich wie bei Spitzensportlern und Künstlern erhöht die Nervosität Ihre geistige Präsenz und die körperliche Spannung. Die brauchen Sie, um Ihr Publikum anzustecken. Sie benötigen die auch, um Ihre eigenen Fähigkeiten auszuschöpfen und Grenzen zu überschreiten.
Verabschieden Sie sich von dem Ziel, lässig und ohne Lampenfieber auftreten zu wollen. Es geht nicht und es muss nicht sein.

3. Nur ein Bruchteil unserer Nervosität ist sichtbar.
Es ist eine immer wiederkehrende Erkenntnis und Überraschung im Rhetorikcoaching: Der Redner mag Herzrasen, feuchte Hände und zitternde Knie haben. Das Publikum nimmt nur eine leichte Nervosität wahr. Wenn Sie glauben, jeder müsse den Sturm in Ihnen sehen, seien Sie beruhigt. Nur Sie selbst wissen darum. Nach außen wirken Sie viel souveräner.

4. Mit jedem öffentlichen Auftritt wird die Angst weniger.
Hand aufs Herz: Wie viele Hochzeitsreden,  Präsentationen und Vorträge haben Sie schon gehalten? Weil Sie diese Hinweise über die Nervosität lesen, vermute ich, dass Ihre Erfahrung als Redner noch nicht allzu groß ist. Nach zehn Auftritten geht es besser. Versprochen!
Denken Sie einmal daran, wie viele Fahrstunden Sie benötigt haben, um den Führerschein zu machen? Der Schnitt liegt bei 20. Und auch danach gab es noch brenzlige Situationen und Nervosität, z.B. vor der ersten Fahrt in eine fremde Stadt. Das ist lange her. Übung und Erfahrung haben uns zu sicheren Autofahrern gemacht. Genau so läuft es auch mit dem Reden  halten.

Schnelle Hilfe beim Black-out

Der Filmriss im Kopf ist selten, die Angst davor jedoch heftig. Sollte der rote Faden bei Ihnen einmal reißen, gibt es einige Tricks, ihn wieder aufzunehmen.

1. Bewegen: Geistige und körperliche Bewegung sind eng verknüpft. Wenn die Gedanken festsitzen, bringen Sie sie durch eine bewußte Körperbewegung wieder in Schwung: Machen Sie einen Schritt nach vorne oder zur Seite oder trinken Sie einen Schluck Wasser. Oft löst sich damit die geistige Blockade.

2. Sprechpause: Täuschen Sie eine bewusste Sprechpause vor. Wichtig: Halten Sie dabei Blickkontakt zum Publikum, so als wollten Sie Ihre Worte nachwirken lassen. Ihnen selbst kommt die Stille endlos vor. Das Publikum empfindet das Schweigen als angenehme Denk- und Spannungspause.

3. Wiederholen: Wiederholen Sie den letzten Satz mit Nachdruck. Das genügt oft, um wieder anzuknüpfen.

4. Zusammenfassen: Geben Sie ein stichwortartiges Resümee des bisher Gesangten oder der letzten zwei, drei Gedanken. So kommt das Gehirn wieder in Schwung und das Publikum ist dankbar.

5. Rhetorische Frage: Stellen Sie eine rhetorische Frage. Das sind Fragen, die Sie selbst beantworten. Dank Ihrer Antwort kommen Sie wieder in Fluss.

6. Publikum einbeziehen: Ein offenes “Wo war ich stehen geblieben?” oder ein ironisches “Was wollte ich gerade Bedeutendes sagen?” bringt Ihnen vielleicht einen Anknüpfungspunkt aus dem Publikum.
Wer Zeit hat, kann auch das Publikum um seine Erfahrung zu einem Punkt des Vortrags bitten. Während ein anderer spricht, sortieren Sie Ihre Gedanken.

7. Zugeben: Gehen Sie offen mit dem kurzen Aussetzer um. Vergessen ist menschlich:  “Punkt drei… Punkt drei… habe ich jetzt glatt vergessen. Er wird wiederkommen.” Und dann fahren Sie im Text fort. Fast immer kommt der Punkt tatsächlich wieder.

Bei allen Strategien geht es darum, die Schreckensstarre zu lösen, die Sie als Redner erfasst, wenn Ihnen ein Wort oder ein Gedanke abhanden kommen. Verharren Sie nicht darin, sondern tun Sie etwas: Reden Sie, bewegen Sie sich, lenken Sie von sich ab. Dann kommt das Gehirn wieder in Schwung und die Worte fließen.