Psychologie und Praxis des Flirts

Längst hat die Forschung Licht gebracht in die psychologischen Hintergründe und praktischen Abläufe des Flirtens. Dem Profi wie dem Lernenden gibt die Wissenschaft Flirttipps zu den wichtigsten Fragen.

Hier eine Zusammenfassung der praxistauglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Flirten.

1. Wie beginne ich einen Flirt?

Den Flirt beginnt immer die Frau! Sie wählt den Mann aus, zu dem sie Kontakt wünscht. Ihre Flirtbereitschaft signalisiert sie durch Blicke und Lächeln.

Erst wenn ein Mann Flirtsignale empfangen hat, spricht er die Frau an. Entgegen der landläufigen Meinung, dass der Mann sich eine Partnerin ausguckt und dann wagemutig auf sie zugeht, gilt: Die Frau wählt, wer sie ansprechen darf und der Interessent folgt.

Eindeutige Flirtsignale der Frau sind zum Beispiel wiederholter Blickkontakt, Lächeln, Kopf schief legen, Kopf nach hinten werfen, sich durch die Haare streichen.

In einem Experiment testeten die Psychologen Debra Walsh und Jay Hewitt die Wirkung von Blickkontakt und Lächeln in einer Cocktail-Lounge.

Immer abends zwischen acht und neun Uhr ließen sie eine attraktive Frau an einem Tisch Platz nehmen. Sie hatte die Aufgabe, sich einen Mann auszugucken, wiederholt Blickkontakt herzustellen und zu lächeln.

60 Prozent der so animierten Männer folgten der stummen Aufforderung und trauten sich an den Tisch der Dame.
In einer zweiten Variante nahm die Frau zwar Blickkontakt auf, lächelte aber nicht. Das Ergebnis: Die Dame wurde nur von 20 Prozent der Männer angesprochen.

In einer dritten Variante schaute die Dame niemanden an und es fand auch keiner den Mut, sich ihr zu nähern.

Je mehr Flirtsignale die Frau gibt, desto sicherer ist der Mann, dass sie ihn will. Wie rasch ein Mann sich angesprochen fühlt, hängt jedoch auch von seinem Selbstbewusstsein und seinen Erfahrungen mit Frauen ab. Manchem Mann genügt ein Blick um überzeugt zu sein, dass die Frau an ihm interessiert ist.


2. Was sind die besten Flirt-Sprüche?

Hat die Frau erst einmal durch Flirtsignale gezeigt, dass sie offen für einen Kontakt ist, liegt es am Mann, die Initiative zu ergreifen. In der Regel muss er sie ansprechen.

Gibt es Sprüche gibt, die zur Eröffnung eines Flirts besonders gut ankommen? Auch das haben Forscher untersucht. Das Ergebnis ist äußerst beruhigend. Ihr Flirttipp lautet:

Je schlichter der erste Satz, desto größer der Erfolg.
Hier einige Beispiele:

  • „Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber ich würde Dich gerne kennen lernen“
  • “Lecker, so ein kühles Kölsch, nicht wahr?“
  • „Wie heißt denn die Band, die hier spielt?“
  • Ein freundliches „Hallo“.
  • „Super Wetter heute, nicht wahr!“

In mehr als 60 Prozent aller Fälle reagiert die Frau freundlich.

Achten Sie auf den Tonfall ihrer Stimme! Selbst ein harmloses „Guten Abend“ kann, falsch intoniert, aufreißerisch, herablassend, kurz angebunden wirken aber auch respektvoll, bewundernd, erfreut.

Freche und anzügliche Sprüche haben kaum eine Chance bei den Frauen.
„Wetten, ich trink’ Dich unter den Tisch“ oder „Wie kann jemand mit Deinen schönen Augen nur alleine hier sitzen“, führen in 80 Prozent aller Fälle zu schroffer Ablehnung.

Männer, die von einer Frau angesprochen werden, sind weniger wählerisch.
Laut Praxistest der Forscher ist es unerheblich, was die Frau sagt. Die Männer reagieren immer freundlich. Ganz gleich, ob die Ansprache deftig, direkt oder harmlos daher kommt: Selbst das minimalistische „Hi“ zeigt 100 Prozent Erfolg.

Der erste Satz fällt leicht, wenn wir uns klar machen: Er eröffnet ein Gespräch, nicht einen Flirt. Die ersten Worte, und mögen sie noch so banal sein, signalisieren nichts anderes als: Ich würde mich gerne mit Dir unterhalten. Möchtest Du auch? Um das herauszufinden, genügt eine Bemerkung über das Wetter.


3. Worüber reden wir danach?

Die ersten Sätze sind ausgetauscht, sei es über das Wetter, die Kneipe, die Musik, die Getränke, den Anlass der Zusammenkunft oder andere unverfängliche Dinge. Wie geht es weiter?

Der Schlüssel zum erfolgreichen Flirt ist nicht die möglichst positive Selbstdarstellung, sondern die Fähigkeit, dem anderen zu zeigen, dass man ihn/sie mag.

Wie wir Sympathie zeigen und gleichzeitig selbst sympathisch wirken – auch an diesem Punkt des Flirtens kann die Wissenschaft mit allgemeinen Flirttipps dienen.

Sprechen Sie über positive Dinge.
Probleme, negative Weltsicht, schlechte Erfahrungen usw. stoßen ab.

Sprechen Sie über unverfängliche Themen.
Urlaub, Filme, Lektüre, Reisen, Sport, Musik, Beruf und Freizeitgestaltung, Kneipen, Diskos, gute Restaurants sind klassische Themen.
Politik, Religion, Krankheit, Wirtschaftstheorien führen leicht zu Meinungsverschiedenheiten.

Erzählen Sie nicht nur von sich selbst. 
Das gilt besonders für Männer. Je interessierter ein Mann an einer Frau ist, desto stärker fühlt er sich genötigt, ihr zu demonstrieren wie toll er ist. Doch genau das stößt Frauen ab.

Es kommt nicht darauf an, besonders interessant zu sein, sondern möglichst interessiert. Signalisieren Sie mit Fragen und aufmerksamem Zuhören, dass Ihr Gegenüber Sie interessiert. Denn nichts macht Sie so anziehend für andere, wie Ihr Interesse an ihm/ihr.

Komplimente erfreuen den Partner.
Bestätigen Sie Ihr Gegenüber. Auch Männer sind sehr empfänglich für Komplimente.
Angebracht sind positive Bemerkungen wie: “Das ist ja ein aufregendes Hobby! Ich habe mir schon immer gewünscht, einmal mehr darüber zu erfahren“ oder „Sie haben eine besonders schöne Kette an“ oder „Diese Farbe steht Dir gut“.
Das Kompliment: „Sie sind eine attraktive Frau/ ein attraktiver Mann“, sollten Sie nicht durch Details oder durch Blicke auf Busen oder Schritt belasten.

Offenbaren Sie sich einander Zug um Zug.
Erst wenn das Gespräch auch persönliche Vorlieben beider Partner enthüllt, hat es Flirtqualität.

Jedes persönliche Detail, das Sie im Gespräch Preis geben, erhöht die Vertrautheit. Dabei genügen anfangs schlichte Bekenntnisse wie Ihr Sinn für italienische Küche, deutsche Autos, HipHop oder Joggen. Wenn Ihr Gegenüber an Ihnen interessiert ist, wird er jeder Information Ihrerseits ein Bekenntnis seiner eigenen Vorliebe folgen lassen.

Wenn Sie sich gut verstehen, werden die Informationen, die im Gespräch einfließen, stufenweise vertraulicher.
Wenn Sie das Gefühl haben, nur Sie selbst offenbaren sich, dann waren Sie entweder zu schnell oder der andere hat wenig Interesse an Ihnen.


4. Wie funktioniert die Körpersprache beim Flirten?

Flirtpartner stellen sich nicht nur verbal und gefühlsmäßig aufeinander ein. Auch Ihre Körper wenden sich einander zu. Freilich nur, wenn die Chemie stimmt.

Die Zuwendung geschieht in der Reihenfolge: Kopf, Schultern, Rumpf, Füße. Mit jeder Hinwendung steigt die Intimität.
Wer das weiß, kann die Gefühlslage seines Gegenüber am Körper ablesen.

Unbehagen, Langeweile oder ein Patzer in Gespräch spiegeln sich sofort im Abwenden eines Körperteils.

Sympathie und Gefallen zeigen sich in der Hinwendung.

Ein gutes Zeichen ist es, wenn Ihr Partner unbewusst Ihre Körperhaltung übernimmt und Ihre Gesten spiegelt.

Zudem gibt es typisch männliche und typisch weibliche Weisen, mit dem Körper Interesse zu zeigen.

Männer nehmen gerne Positionen ein, die sie größer und eindrucksvoller erscheinen lassen: Sie haben die Hände in den Hosentaschen und halten die Ellbogen abgewinkelt, damit der Oberkörper imposanter wirkt. Oder sie stützen sich mit einer Hand über Schulterhöhe an einer Wand ab. Auch das lässt den Mann optisch wachsen.

Frauen nehmen eher Positionen ein, die ihre Weiblichkeit betonen.
Beispielsweise ziehen sie im Sitzen die Knie zum Körper, um kleiner und zierlicher zu wirken. Typisch sind auch Haltungen, die die weiblichen Attribute in den Vordergrund rücken: Das wiederholte übereinander Schlagen der Beine, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, oder Bewegungen und Positionen, die die Brust betonen, sowie das Spiel mit den Haaren.

Der Flirttipp der Wissenschaft an alle Flirtwilligen: Beobachten Sie Ihr Gegenüber um zu erfahren, ob Ihr Interesse erwidert wird.


5. Woran scheitert ein Flirt?

Im Verlauf des Gesprächs ergeben sich die ersten flüchtigen, scheinbar zufälligen Berührungen. 

Das ist der entscheidende Test, denn eine Berührung ist intimer als Worte und ruft eine klare Ja/Nein-Reaktion hervor.

Dies ist der Punkt, an dem viele Männer scheitern.
Denn was einem Mann harmlos erscheint, wird von Frauen schon als zudringlich empfunden. Was für einen Mann vermeintlich eindeutige sexuelle Signale der Frau sind, ist für eine Frau oft nur Freundlichkeit, Offenheit und Neugier.

Männer tendieren dazu, die Flirtsignale einer Frau über zu bewerten, während Frauen ihre animierende Wirkung unterschätzen.
Er wundert sich dann, warum sie plötzlich so kühl reagiert. Und sie ist verstimmt, weil er ihre Grenze überschreitet.

Für eine erste, leichte Berührung ist der Arm geeignet, lautet der Flirttipp der Wissenschaftler.

Wenn Ihr Gegenüber die Berührung mag, wird er/ sie mit einer vergleichbaren Steigerung der Intimität reagieren. Zustimmung wird entweder körpersprachlich, also nonverbal signalisiert oder gesprächsweise, also verbal.

Nonverbal heißt: Durch eine Berührung oder durch intensiveren Blickkontakt oder durch Näherrücken oder durch mehr Lächeln.

Verbal meint: Ihr Gegenüber lenkt das Gespräch durch ein persönliches Detail in die Tiefe und zeigt auf diese Weise seine Zustimmung zur Berührung.

Ist die Berührung jedoch zu lang, zu fest oder zu intim, können alle Chancen schwinden. 

Die nächsten Schritte des Körperkontakts: Die Hand berühren. Später eine Hand drücken oder halten. Erst nachdem der Mann sich durch erneuten Händedruck vergewissert hat, dass die Partnerin mit dieser Vertrautheit einverstanden ist, sollte er den Arm um ihre Schulter legen oder ihr Knie berühren.


6. Was hilft, ein guter Flirtpartner zu werden?

Hier meine persönlichen Flirttipps – in zahlreichen Trainings erprobt, in der Praxis bewährt, von der Wissenschaft bestätigt:

1. Flirten kann nur, wer mit sich und seinem Leben einverstanden ist. Eine positive Ausstrahlung ist die Basis. Halten Sie sich also für einen Langweiler oder ein Mauerblümchen, arbeiten Sie zuerst an Ihrem Selbstbewusstsein und dann an der Flirttechnik.

2. Ein freundliches Gesicht wirkt Wunder. Ihr Lächeln öffnet Sie und andere. Es fällt Ihnen leichter, Fremde anzusprechen und ermutigt Unbekannte, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen. Wer glaubt, ein unbewegter, kühler Gesichtsausdruck wirke attraktiv, bleibt lang allein. Nur ein gutgelaunter, offener Mensch verspricht Spaß.

3. Suchen Sie Blickkontakt, denn die Augen sind der Spiegel der Seele. Auch deshalb sind sie der erste Sinn, wenn es um Kontaktaufnahme geht. Streifen Sie seinen/ihren Blick zunächst eher beiläufig und nur einen Moment länger als üblich. Lächeln Sie dabei. Finden sich Ihre Augen wieder und wieder? Dann besteht Interesse. Weicht der/die andere Ihren Blicken aus, wendet sich ab oder wechselt gar den Standort, können Sie sich weitere Avancen sparen.

4. Verabschieden Sie sich von Floskeln und Sprüchen, die Sie mal irgendwo gelesen haben, um Sie oder Ihn anzusprechen. „Hallo“ oder „Guten Tag, ich heiße Michael“, kommt natürlich und ehrlich. Interessierte Fragen an den anderen helfen, das Gespräch zu eröffnen.

5. Flirten Sie nicht nur mit Traumtypen. Wer nur nach der vollbusigen Brünetten oder dem breitschultrigen Blonden Ausschau hält, beraubt sich vieler  Chancen. Wer nur potentielle Heiratskandidaten anspricht, engt seinen Radius zu stark ein. Gehen Sie auf Menschen zu, die Ihnen sympathisch sind, die freundlich und interessant aussehen, auch wenn sie keine Traummaße haben. Der Vorteil für Sie: Sie sind viel entspannter und deshalb erfolgreicher.

6. Erkennen Sie die Körpersprache. Zeigt Ihnen ihr Gegenüber die kalte Schulter? Oder wendet er/sie sich Ihnen mit dem ganzen Körper zu? Beobachten Sie diese nonverbalen Signale. Trainieren Sie, sie zu erkennen, indem sie Menschen beobachten.
Stehen zwei Freunde sehr eng zusammen und reden vertraulich? Dann genügen sie einander. Lassen die beiden hingegen die Blicke schweifen und ist Raum vor oder zwischen ihnen, dann signalisieren sie: Wir sind offen für neue Kontakte.

7. Stecken Sie sich überschaubare Ziele. Sie definieren, was ein Flirterfolg ist. Ein nettes Gespräch, eine Telefonnummer, eine Verabredung zum Kaffee? Setzen Sie sich nicht unter Druck,  gleich ein romantisches Dinner oder einen Hausbesuch in der Tasche zu haben.

8. Zollen Sie jedem Respekt. Vor allem sich selbst. Respektieren Sie auch bestehende Beziehungen. Wenn der Flirtpartner kurz angebunden ist, schweigt oder nein sagt, hat er/sie vielleicht einen schlechten Tag oder ist glücklich liiert. Respektieren Sie das „nein“. Verabschieden Sie sich freundlich und selbstbewusst. Nicht jede(r) ist so locker und souverän wie Sie. Manche Menschen verunsichert es, angesprochen zu werden.

9. Betonen Sie Gemeinsamkeiten. Ein neuer Kontakt ist ein zartes Pflänzchen. In den ersten Minuten tasten Sie sich verbal vorsichtig aneinander heran. Was mag er/sie? Was haben wir gemeinsam? In dieser Phase nicht widersprechen, sondern die Gemeinsamkeiten suchen. Selbst wenn der andere ein Hobby hat, das Sie völlig kalt lässt, kontern Sie nie: „Damit kann ich gar nichts anfangen.“ Fragen Sie lieber, was den anderen daran so fasziniert. Denn vielleicht begeistert den ruhigen Hobbyangler ähnliches wie die sportliche Taucherin: Das Leben im Wasser, Stille, Natur. Und schon haben Sie ein angenehmes Gesprächsthema, das sie einander näher bringt.

10. Stellen Sie Fragen, interessieren Sie sich für Ihr Gegenüber.  Versuchen Sie nie, sich durch langes Reden und Dozieren interessant zu machen. Vielredner und Angeber sind Stimmungskiller. Sagen Sie ein paar Sätze über Ihr Hobby und stellen dann rasch die Gegenfrage: “Und welches Hobby hast Du?” Stellen Sie vertiefende Fragen: “Seit wann machst Du das?”, “Wie geht das?”.  Üben Sie diese Geschmeidigkeit nicht erst in Flirtsituationen sondern im Alltag.

Ich wünsche Ihnen viel Glück und viel Vergnügen!

Ich entnehme sie im Wesentlichen dem Buch von Bas Kast: „Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt“ (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2006) und dem „SIRC Guide to Flirting – What social science can tell you about flirting and how to do it“.